Gartentagebuch im November
 

 

November

Gartenpläne

Weiße Herbstanemonen, rosa Strahlenastern, kupferfarbene Schafgarbe....diese und viele andere wachsen und blühen vorerst nur in meiner Vorstellung, aber dort strahlen sie so wunderbar und herzerwärmend, dass ich das Gefühl habe, schon ihren Duft wahrzunehmen, die nach Nektar suchenden Insekten auf ihnen landen zu sehen, sowie ihr leises Schwanken im Wind und den feuchten Glanz ihrer Blätter nach einem warmen Sommerregen.
Ist es nicht herrlich, dieses Planen des kommenden Gartenjahres?
Stöbern in Pflanzenkatalogen, Schmökern in Gartenbüchern und vielleicht auch mal eine Skizze zeichnen. Welche Pflanzen möchten wir auf welchem Beet kombinieren?
Ich verliebe mich immer wieder in neue Pflanzenduos oder auch schon mal Trios. So hat mich vor ein paar Tagen ein Foto verzaubert, auf dem sich in leuchtenden Gelb- und Orangetönen blühende Etagenprimeln mit pinkfarbigem Knabenkraut ein feuchtes Plätzchen am Teichrand teilten. Eine reizvolle Farb- und Formkombination, die unter die Haut geht!

RoseWeiße Bibernellrosen in Kombination mit Orangerotem Habichtskraut

Es lohnt sich auf jeden Fall, hin und wieder auf die Partnerwünsche der Pflanzen untereinander einzugehen. Manchmal streue ich einfach eine Handvoll gemischten Sommerblumensamen in entstandene Lücken, um zu sehen, wer mit wem besonders gut kann. Auf diese Weise  entstehen oft die allerschönsten Paare oder Gruppierungen. Diese fotografiere ich und die besten Fotos klebe ich anschließend in ein kleines Gartentagebuch. So bekomme ich ohne viel Aufwand und sogar ganz ohne Text ein kleines Büchlein über gelungene Pflanzenkombinationen.

Wie sollte man die kommenden grauen Wintertage überstehen, ohne Erinnerungen an bunte Blumenbeete, an saftige Erdbeeren,  Dillblüten, die über  Salatköpfen schweben, Libellen am Teich und das Summen und Brummen der emsigen Blütenbesucher?
Es ist  wohl eine Art letzter Gruß des Sommers, wenn in dieser grauen Zeit, allem Trübsinn zum Trotz, die scheinbar undurchdringlich dicke und dichte Wolkendecke aufreißt und die Sonne ihre hellen Strahlen noch einmal wärmend auf die Erde herabscheinen lässt. Und es ist fast schon belustigend, mit anzusehen, wie Kosmeen, Ringelblumen, römische Kamille und so einige andere auf dieses Sommersonnenabschiedsspiel hereinfallen, indem sie noch schnell ein paar ihrer wirklich letzten Blütenknospen des Jahres öffnen. Ob sie sogar so töricht sind und auf Besucher hoffen? Doch der ersehnte Besuch bleibt aus, so dass ihre Sehnsucht unerfüllt bleiben muss.

Liebe auf den ersten Blick

Es war an einem ebenso trüben rheinischen Novembertag, wie wir ihn heute haben, als ich meinen jetzigen Garten das erste mal betrat. 4 Jahre lang hatte hier kein Gärtner mehr nach dem Rechten gesehen. Der völlig verwahrloste Garten bot einen wirklich jämmerlichen Anblick und sogar die Hütte am Ende des langen schlauchartigen Grundstücks war baufällig und daher zum Abriss verdammt.

Wilde MöhreDie Blüte der Wilden Möhre


Und dennoch war es Liebe auf den ersten Blick. Ich sah keine meterhohen braun-grauen Gräser, als ich über das Grundstück lief, ich sah blühende Margeriten! Ich übersah auch allzu gerne undurchdringliches Gestrüpp aus verblühten und abgeknickten Goldruten, stattdessen sah ich Ringelblumen zwischen Kohlköpfen, Prunkbohnen an langen Stangen hinaufranken, dicke Kürbisse, die in der Sonne schmorten und große mächtige Büsche von Lavendel und Salbei.
Zeichnungen über Zeichnungen wurden angefertigt und jeder Tag brachte neue Ideen, wie man aus der verwahrlosten Unkrautwüste ein kleines Paradies machen könnte. Zwar stand für mich bei diesem Unternehmen die Gemüseproduktion im Vordergrund, aber das schloss ja nicht aus, dass ich ebenso einige Blumenbeete anlegen konnte. Ein Garten ohne Blumen? Undenkbar!
Platz war reichlich vorhanden. Hier würden sich viele Gartenträume verwirklichen lassen. Hecken für Vögel waren mir ein ganz wichtiges Anliegen. Ich entschied mich schließlich für eine Feldahornhecke an der schmalen Eingangsfront des Gartens, Rotbuchen als Sichtschutz für meine kleinen Rasenflächen, damit wir hier gemütlich sitzen konnten und zur Abgrenzung eines Gehölzsaumes pflanzte ich im hintersten Bereich des Gartens Hainbuchen. Dahinter wollte ich hohe Reisighecken aufschichten. Hier sollte ein Rückzugsgebiet für Mäuse, Igel und Kröten entstehen. Ein Teich musste natürlich auch sein und erst im letzten Jahr verwirklichte ich mir diesen Traum. Seitdem stiehlt die kleine Wasserlandschaft dem kompletten Rest des Gartens regelrecht die Schau und ich staune doch immer wieder darüber, wie sehr sich Menschen von Libellen, Fröschen und Wasserkäfern in ihren Bann ziehen lassen. Ja, wenn man bedenkt, dass alles Leben ursprünglich aus dem Wasser kommt, ist dies nicht besonders verwunderlich. Die Superstars im kleinen Gartenteich sind jedoch meine vier Bitterlinge. Die nur etwa 6 cm große heimische Fischart ist vor allem im Frühjahr aktiv und die Winzlinge flitzen dann in halsbrecherischem Tempo durchs Wasser.

Weg

Den Garten planen und gestalten

 

Ein alter Süßkirschbaum gleich neben dem Bauplatz des geplanten Gartenhäuschens war natürlich die Sensation des Gartens überhaupt. Meine damals siebenjährige Tochter schaffte es auch gleich, ihn erfolgreich zu erklettern, die vierjährige musste traurig unten bleiben und ich versprach ihr, eine Leiter anzuschaffen, damit sie bald auch schon auf dem untersten Ast sitzen könnte.
Aber ein Nutzgarten ohne einen Apfelbaum, ist das nicht irgendwie ein Unding? Flugs wurden die verschiedensten Obstbäume in Minigröße bestellt: Berlepsch, Schattenmorelle, Butterbirne, Aprikose, Pfirsich und Hauszwetsche. Ich pflanzte sie entlang des Mittelweges, der damals schnurgerade durch den Garten führte und sich heute harmonisch durch die gesamte Länge des Blumen- und Nutzteils schlängelt. Die Natur kennt keine geraden Linien und ich müsste den langen Weg jedes Jahr begradigen, wollte ich ihn denn wirklich so haben.
Dort wächst die Kapuzinerkresse zu üppig, hier hat sich eine interessante Pflanze angesiedelt, die sich später als Kermesbeere herausstellte, entlang eines kleinen Wegstücks wachsen plötzlich Blutmalven, -sieht doch hübsch aus als Wegbegleiter- und auf einem anderen hat der wilde Majoran seine Polster allzu dekorativ auf den rotbraunen Rindenmulchbelag geschoben. Nein, das lass ich so, das ist schön und basta! Drumherumgehen geht doch schließlich auch.
Heute im Nebel erkenne ich von vielen Pflanzen nur noch dürre Gerippe, so etwa vom Wilden Majoran am Wegrand, von der gigantisch wachsenden Katzenminze oder vom Liguster, der sich an allen Ecken und Enden aussät.
Die Obstbäume sind größtenteils gut angewachsen, nur die Aprikose ist eingegangen, aber aus der Unterlage ist ein neuer Baum gewachsen, bei dem wir leider noch nicht wissen, um wen es sich handelt. Auch Anfragen bei anderen Gärtnern haben noch kein Ergebnis ergeben.
Gerade stelle ich mir vor, dass der Neuzuwachs der Bäumchen im nächsten Jahr endlich dazu führen wird, dass sich mein Traum vom Laubengang erfüllt.  Ein Weg, durch Pflanzen hindurch, der den Spaziergänger für einen Moment von drei Seiten einschließt und ein Gefühl der Geborgenheit und der Zusammengehörigkeit entstehen lässt. So soll es einmal werden: Die Bäume werden größer, berühren sich dann eines Tages über unseren Köpfen mit ihren Ästen, der Gärtner oder die Gärtnerin schneidet kunstvoll den Durchgang frei und darf sich von nun an bei jedem Tète à Tète mit ihren Obstbäumen ganz besonders gut und sicher behütet fühlen.

 

Übersicht über alle Tagebucheinträge
Schon bald beginnt die Zimmerpflanzensaison: Buchtipp: "Orchideenatlas", Ulmer